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Das Visualisieren. Eine einfache Technik, mit der wir Gedanken sortieren und Klarheit schaffen können.

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Frau visualisiert ihre Gedanken

Wenn plötzlich alles gleichzeitig wichtig wird

Vielleicht kennst du solche Phasen auch.

Beruflich verändert sich etwas. Nicht unbedingt dramatisch. Aber genug, dass die Gedanken anfangen zu kreisen. Gleichzeitig meldet sich eine leise Stimme, die fragt, ob das eigentlich noch alles so passt. Eigene Wünsche tauchen wieder auf. Ideen, die lange keinen Platz hatten. Fragen, die man gut verdrängen konnte, solange der Alltag laut genug war.

Und während innerlich vieles in Bewegung gerät, läuft das Leben ganz normal weiter.

Termine organisieren. Arbeiten. Einkaufen. Nachrichten beantworten. Funktionieren.

Ich hatte kürzlich genau so einen Moment. Ich sass vor meinem Laptop und merkte plötzlich, dass ich gleichzeitig über mehrere berufliche Entscheidungen nachdachte, über Dinge, die ich verändern möchte, über Projekte, die Energie ziehen, und nebenbei auch noch darüber, was eigentlich aus gewissen persönlichen Ideen geworden ist, die irgendwann zwischen Alltag und Verantwortung verloren gegangen sind.

Alles gleichzeitig. Alles irgendwie wichtig.

Und genau dann beginnen Gedanken oft, sich im Kreis zu drehen.

Dabei muss ich immer wieder an einen Satz denken:

Grübeln ist wie Schaukeln: Man tut zwar etwas, doch man kommt nicht vom Fleck.

Am Anfang fühlt sich Grübeln noch produktiv an. Als würde man an einer Lösung arbeiten. Doch irgendwann wird einfach alles gleichzeitig laut.
 

«Grübeln ist wie Schaukeln:
Man tut zwar etwas, doch
man kommt nicht vom Fleck.»

 

Wenn der Kopf aus Gedankenwolken besteht

Was mich an solchen Situationen fasziniert: Im Kopf wirkt plötzlich alles gleich gross.

Eine offene Entscheidung. Eine diffuse Sorge. Eine Idee. Eine Unsicherheit. Eine unerledigte Aufgabe. Eine Frage zur Zukunft.

Alles vermischt sich zu einer grossen Gedankenwolke.

Und je länger alles nur im Kopf bleibt, desto schwieriger wird es oft, die Dinge überhaupt noch klar voneinander zu unterscheiden.

Vielleicht kennst du das auch:
Etwas beschäftigt dich tagelang. Es fühlt sich riesig an. Fast unlösbar. Und sobald du beginnst, es konkret aufzuschreiben, verändert sich plötzlich etwas.

Nicht unbedingt die Situation selbst. Aber dein Blick darauf.

Sichtbar machen verändert etwas

In den Harry-Potter-Büchern wird Voldemort lange nur „der, dessen Name nicht genannt werden darf“ genannt. Gerade dadurch wirkt er fast grenzenlos mächtig und diffus.

Erst als er wieder einen Namen bekommt, wird er konkret. Greifbar. Man kann sich mit ihm auseinandersetzen.

Mit Gedanken funktioniert das manchmal erstaunlich ähnlich.

Solange etwas nur diffus im Kopf herumzieht, kann es alles sein. Riesig. Bedrohlich. Unübersichtlich.

Sobald wir beginnen, Dinge sichtbar zu machen, passiert oft etwas Entscheidendes: Gedanken werden konkreter.

Und genau deshalb helfen einfache Visualisierungen so sehr beim Denken.

Nicht, weil sie schön aussehen müssen. Sondern weil sie helfen, Gedanken aus dieser abstrakten Innenwelt herauszuholen.

Sobald wir beginnen zu schreiben, zu gruppieren oder Zusammenhänge einzuzeichnen, müssen wir konkreter werden:

  • Worum geht es eigentlich genau?
  • Was hängt womit zusammen?
  • Was beschäftigt mich wirklich?
  • Was fühlt sich nur deshalb so riesig an, weil gerade alles miteinander vermischt ist?

Allein diese Konkretisierung schafft oft erstaunlich viel Klarheit.

Die einfachste Form von Visualisieren

Dafür braucht es übrigens keine schönen Skizzen. Und auch keine besondere Kreativität.Was mir in solchen Momenten hilft, ist oft etwas sehr Einfaches:
ein grosses Blatt Papier und ein Stift. Ich beginne dann nicht mit Lösungen. Nicht mit Prioritäten. Nicht mit perfekten Kategorien. Ich schreibe zuerst einfach alles auf. Gedanken. Fragen. Verpflichtungen. Wünsche. Projekte. Dinge, die Energie ziehen. Dinge, die mich beschäftigen. Dinge, die ich nicht vergessen will. Ohne Reihenfolge. Ohne Struktur. Und erst danach beginne ich langsam zu sortieren. Ich kreise Themen ein. Ziehe Verbindungslinien. Schreibe Dinge nebeneinander, die zusammengehören. Manche Themen bekommen plötzlich mehr Platz. Andere wirken auf einmal erstaunlich klein.

Und oft merke ich dabei etwas Spannendes:
Viele Gedanken drehen sich eigentlich um denselben Kern.

Oder:
Etwas, das sich im Kopf riesig angefühlt hat, wirkt auf Papier plötzlich konkret und handhabbar. 

Was zusammengehört, wird verständlicher

Besonders hilfreich finde ich dabei die Frage:

Was gehört eigentlich zusammen?

Denn im Kopf liegt oft alles gleichzeitig herum.

Auf Papier wird plötzlich sichtbar:

  • welche Themen direkt miteinander verbunden sind
  • welche Gedanken nur Nebengeräusche sind
  • welche Sorgen eigentlich dieselbe Ursache haben
  • welche Entscheidungen noch gar nicht sofort getroffen werden müssen

Und manchmal entsteht dabei etwas, das ich vorher gar nicht gesucht habe:

Nicht sofort eine Lösung. Sondern Übersicht.

Und Übersicht schafft Luft.

 

«Manchmal braucht der Kopf
nicht noch mehr Gedanken – sondern einen
Ort, 
an dem Gedanken sichtbar
werden dürfen.»

 

Klarheit entsteht selten durch noch mehr Grübeln

Ich glaube, viele von uns versuchen, Klarheit ausschliesslich durch Nachdenken zu finden. Ich auch.

Doch manchmal braucht der Kopf nicht noch mehr Gedanken. Sondern einen Ort, an dem Gedanken sichtbar werden dürfen.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum ein einfaches Blatt Papier so hilfreich sein kann.

Nicht weil plötzlich alle Antworten da wären.

Sondern weil aus einer diffusen Gedankenwolke langsam wieder etwas Greifbares wird.

 


 

Die Autorin

Dana Rulf
Dana Rulf, Visual Practitioner, Unternehmerin und Gründerin von speakture.

Dana Rulf ist Visual Practitioner, Unternehmerin und Gründerin von speakture. Sie zeigt, wie einfache Visualisierungen helfen können, Gedanken zu ordnen, Klarheit zu gewinnen und auch in komplexen Lebens- und Arbeitssituationen den Überblick zu behalten.