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Die drei häufigsten Gründe für Überforderung und was du tun kannst

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Frau hält sich die Hände an den Kopf und wirkt gestresst und überfordert – Titelbild zum Gastbeitrag von Dominic Junghänel über Überforderung im lila Magazin.

Viele Menschen haben heute das Gefühl, ständig funktionieren zu müssen. Beruf, Familie, Beziehungen, Alltag - überall wird nach unserer Aufmerksamkeit verlangt.

Und selbst Momente, die eigentlich erholsam sein sollten, fühlen sich nicht mehr wirklich leicht an: die Freizeit wird durchgetaktet, die Wochenenden sind verplant.

Überforderung entsteht selten nur dadurch, dass wir zu viel zu tun haben. Häufig steckt etwas Tieferes dahinter: bestimmte Muster, Erwartungen oder Gewohnheiten, die uns langfristig erschöpfen.

Hier sind drei häufige Ursachen und ein paar Gedanken dazu, was helfen kann.

Du setzt keine klaren Grenzen

Viele Menschen sagen „Ja“, obwohl sie eigentlich „Nein“ meinen. Vielleicht aus Harmoniebedürfnis. Vielleicht aus Verantwortungsgefühl. Vielleicht auch aus Angst, andere zu enttäuschen oder egoistisch zu wirken. Fehlende Grenzen zeigen sich nicht nur im Beruf. Auch privat übernehmen viele Menschen - emotional oder organisatorisch - mehr, als ihnen eigentlich guttut.

Das Problem ist, wenn du dauerhaft über deine eigenen Grenzen gehst, verlierst du irgendwann die Fähigkeit, wirklich zu regenerieren. Die Folge ist eine tiefsitzende, ständig zunehmende Erschöpfung.

Grenzen setzen bedeutet nicht, kalt oder egoistisch zu sein. Es bedeutet, die eigenen Ressourcen ernst zu nehmen. Oft beginnt das mit kleinen Momenten:

  • nicht sofort auf jede Nachricht reagieren
  • bewusst Pausen einplanen
  • wahrnehmen, wann der eigene Akku eigentlich schon leer ist

Ein hilfreicher erster Schritt ist oft, sich vor einer Zusage kurz zu fragen:

„Habe ich dafür gerade wirklich die Kapazität?“ Allein diese kurze Pause kann helfen, bewusster zu entscheiden statt nur automatisch zu reagieren. 

Alles fühlt sich gleich wichtig an

Wenn alles Priorität hat, hat am Ende nichts wirklich Priorität. Ohne klare Prioritäten versuchen wir oft, allem gleichzeitig gerecht zu werden. Das erzeugt inneren Druck und das Gefühl, nie genug geschafft zu haben.

Ich ertappe mich selbst oft dabei, ohne gross nachzudenken meine (meist zu lange) To-Do-Liste durchzurattern, nur damit ich bis zum Ende des Tages alles abhaken kann.

Prioritäten setzen bedeutet nicht, alles perfekt unter Kontrolle zu haben. Es bedeutet, bewusst zu entscheiden, was im diesem Moment wirklich wichtig ist und was vielleicht auch warten darf.

 

"Wenn alles Priorität hat,
hat am Ende nichts wirklich
Priorität."

 

Das kann im Alltag bedeuten:

  • sich auf wenige zentrale Aufgaben zu fokussieren (und vor allem: kein Multitasking!)
  • nicht jede Dringlichkeit sofort als Priorität zu behandeln
  • bewusst zu akzeptieren, dass nicht alles gleichzeitig möglich ist

Manchmal hilft schon eine einfache Frage: „Was würde heute wirklich einen Unterschied machen?“ Klarheit reduziert mentale Überlastung. Nicht weil weniger zu tun ist, sondern weil du nicht mehr versuchst, alles gleichzeitig zu tragen.

Du glaubst, alles perfekt machen zu müssen

Perfektionismus wirkt nach aussen oft wie Ehrgeiz oder hohe Ansprüche. Innerlich steckt dahinter jedoch häufig etwas anderes: die Angst, nicht gut genug zu sein.

Menschen mit hohen Ansprüchen an sich selbst setzen sich oft permanent unter Druck; im Beruf, in Beziehungen, im Alltag und sogar in der Erholung.

 

"Perfektionismus wirkt nach
aussen oft wie Ehrgeiz oder
hohe Ansprüche.
Innerlich steckt dahinter jedoch
häufig etwas anderes:
die Angst, nicht gut genug
zu sein."

 

Das tückische an Perfektionismus ist, dass er die Messlatte ständig weiter nach oben verschiebt. Egal wie viel du schaffst, es fühlt sich selten wirklich ausreichend an. Das führt langfristig nicht zu mehr Zufriedenheit, sondern im Gegenteil zu Erschöpfung, Selbstkritik und konstanter innerer Anspannung.

Ein gesünderer Umgang mit dem eigenen Perfektionismus bedeutet nicht, dass man versucht weniger ambitioniert zu sein. Sondern mit mehr Ehrlichkeit und Selbstreflexion:

  • Welche Erwartungen an mich selbst sind realistisch?
  • Wäre ich mit anderen genauso streng wie mit mir selbst?
  • In welchen Situationen ist „gut genug“ tatsächlich gut genug. Ein früherer Mentor von mir sagte oft: “Don’t let great be the enemy of good.”

Es geht nicht darum, keine Ansprüche mehr zu haben. Sondern darum, den eigenen Wert nicht dauerhaft an Leistung und Perfektion zu koppeln.

Überforderung ist kein persönliches Versagen

Viele Menschen interpretieren Überforderung als Zeichen dafür, dass sie „nicht belastbar genug“ sind. Dabei ist Überforderung eher ein Signal dafür, dass etwas dauerhaft aus dem Gleichgewicht geraten ist:

  • zwischen Geben und Auftanken,
  • zwischen Erwartungen und Realität,
  • zwischen Verantwortung und eigenen Bedürfnissen.

Die gute Nachricht: Oft braucht es keine radikalen Veränderungen. Etwas mehr Achtsamkeit für die eigenen Muster und kleine Veränderungen im Denken und Verhalten können langfristig schon viel bewirken.

 


 

Der Autor

Dominic Junghänel
Karrierecoach mit Fokus auf mentale Gesundheit und Selbstwert

Dominic ist Karrierecoach mit Fokus auf mentale Gesundheit und Selbstwert. Geprägt durch eigene Erfahrungen mit Angststörungen unterstützt er heute Menschen dabei, selbstbewusst und authentisch ihren Weg zu gehen, beruflich wie auch privat.

 



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